Rein elektrisch unterwegs. Ein Erfahrungsbericht

Wie Autofahren, nur aufregender! So lautet der Claim, der an der Tür des rein elektrisch betriebenen Testfahrzeugs prangt, das wir intensiv zur Probe fahren dürfen. 170 km Reichweite sind herstellerseitig bestätigt.

Erste Überraschung. Man sitzt darin wie in einem richtigen Auto. Das ist für Menschen, die unter anderem auch für die Automobilindustrie tätig sind und das Glück haben, viele unterschiedliche Fahrzeuge im doppelten Sinne zu erfahren, nicht immer gegeben. Also: Positiver Ersteindruck. Und klar, eine Kupplung gibt es nicht, ein Schaltungsgetriebe ist ja auch nicht vorhanden.

Erlebnis

Die erste Tour geht ins hügelig-bergige Umland und die Durchzugskraft wie auch die Dynamik des Elektromotors machen schon Spaß. Das Ziel liegt in 52 km Entfernung. Die Reichweitenanzeige ist ehrlich, allerdings bedeutet dies, sie nimmt gerade bei zügiger Bergauffahrt auch sehr kontinuierlich ab und führt zwangsläufig zu dem Gedanken, wie weit man denn damit kommen werde bzw. wieviel Energie noch für die Rückfahrt zur Verfügung stehen wird.

Am Ziel angekommen hat das Fahrzeug, auch wegen der spaßbesetzten Fahrt nur noch eine Reichweite von 60 km. Also den Stecker in die Steckdose der Freunde und zwischendurch ein wenig aufladen. Geht mit dem mitgelieferten Kabel nicht so schnell, denn man hat ja keine Schnellladeeinrichtung, aber nach einem großen Becher Kaffee und einer guten Stunde zeigt die Reichweite 83 km an. Das ist nicht die Welt, aber für die Rückfahrt mehr als ausreichend.

Auf der Rückfahrt, die Hügel und Kuppen eher hinunter, verringert sich die Reichweite so gut wie gar nicht und auch die durchschnittliche Autobahnfahrt (teilweise 140 km/h) vermindert dank des abschüssigen Geländes die Reichweite kaum, denn es wird ja auch Energie gewonnen, wenn man bergab einfach mal ohne „Batteriestrom“ rollen lässt. Die 30 km zurück in die Ebene verbrauchen jedenfalls nicht mehr als 20 km Reichweite. Eine gute Erfahrung.

Erfahrung

Nächster Tag, viel Autobahn, 100 km/h, für NRW ein zügiges Tempo. Da merkt man den höheren Widerstand bei konstanter Geschwindigkeit. Nach 40 km sind 60 km Reichweite weg. Dem gegenüber entsprechen ebene Landstraßenstrecken mit bis zu 80 km/h Fahrgeschwindigkeit genau der angegebenen Reichweite und verlaufen wie bei einem kraftstoffbetriebenen Fahrzeug.

Härtetest am letzten Tag. Verschiedene Strecken zwischen 10 und 40 km Länge, Autobahnanteile, Stadtverkehr, viele Anfahr- und Bremsvorgänge, Die Gesamtfahrstrecke beträgt 135 km und am Ende stehen bei zuletzt defensiver Fahrweise noch 30 km auf dem Reichweitenanzeiger. Man traut bei Fahrzeugen, die man nicht kennt, den Anzeigen ja nicht so richtig. Das ist bei einem neuen Benziner ja auch nicht anders…

Ergebnis

Fazit: Das Fahren eines Elektrischen macht Freude, die Reichweitenangabe dieses Modells ist ehrlich. 170 km Reichweite ist für Leute die gerne und regelmäßig fahren jedoch nicht allzu viel. Der Ladevorgang über die Steckdose dauert zu lange, eine Schnellladeeinrichtung sollte bei einem Kauf miteingerechnet werden. Solaranlagenbesitzer sind dank des eigenverbrauchten Stroms im Vorteil, können aber sicherlich auch nicht immer nur bei Tages-/Sonnenlicht laden.

Die tägliche Fahrstrecke ist entscheidend. Für ein Einzelfahrzeug fehlt die Reichweite, bei zwei Fahrzeugen im Haushalt kann man gut darüber nachdenken, gerade wenn man pro Woche 600 – 700 km im Berufsverkehr zurücklegt. Dann kommen die eingesparten Benzin- und Wartungskosten dem Stromer aufgrund der im geringeren Umfang anfallenden Wartungskosten zu Gute.

Wir warten die nächste Generation ab und bleiben gedanklich ganz nah dran. Ach so, das Fahrzeug? Es war ein Nissan „Leaf“.

12. Mai 2016|Aktuelles|0 Kommentare

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