Handelsblatt Energiegipfel in Berlin, das heißt im Jahr 2023: Politik- und Energiewirtschaftskompetenz auf hohem Niveau. Neben der alle Beteiligten umtreibenden Frage der Versorgungssicherheit ging es am zweiten Kongresstag um das Thema Preisentwicklung und Preissicherheit für Gas und Strom in den kommenden Jahren.

Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur (BNetzA), führte zur Versorgungssicherheit in seiner gewohnt verbindlichen wie pointierten Art aus, dass er die bestehenden Probleme der Energiesicherheit aktuell als „handhabbar“ bezeichnet. Für das laufende Jahr 2023 strebt Müller eine Phase der „Beherrschbarkeit“ an, die für ihn auch mit der Preisentwicklung am Gas- wie Strommarkt im Zusammenhang steht. Für die Entwicklung der Energiepreise spielt in seinen Augen aber auch das Verhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher eine gewichtige Rolle. Der Präsident der BNetzA appelliert daran, den Energieverbrauch weiter und vor allem auch im Sommer verstärkt zu reduzieren. Dieses Verhalten würde sich sehr wirkungsvoll auf die Preisentwicklung auswirken.

Zusammen mit hohen Gasspeicherständen Ende Februar, wie sie sich nach den aktuellen Wetterprognosen abzeichnen, sieht Müller gute Chancen für eine Entlastung bei den Großhandelspreisen und damit auch für entsprechende Auswirkungen auf die Endkunden. Sparen sei der beste Tipp zur Erzielung erstrebenswerter Energiepreise. Und bereits den Sommer über müssen alle Beteiligten, Versorgungsunternehmen wie Verbrauchende, hart daran arbeiten, um für den Winter 2023/2024 gut gerüstet zu sein.

Wie sehen es andere?

E.ON-CEO Dr. Leonhard Birnbaum wünscht sich für die Strom- und Gaspreise einen ähnlichen Stellenwert wie für die Spritpreise. Dafür brauche es eine kontinuierliche Information, mittels derer Verbraucherinnen und Verbrauchern wie bei den Tankstellenanzeigen der aktuelle Strompreis jederzeit vor Augen geführt wird. Die tägliche Konfrontation und die Kenntnis über die Schwankungen würden ein höheres Bewusstsein und eine Veränderung beim Verbrauch nach sich ziehen.

Mittelfristig sehen die Energieexpertinnen und -experten diverse Aspekte, die einen erträglichen Energiepreis in ihren Augen wahrscheinlich machen. So verwiesen sowohl die Senior Vizepräsidentin des zweitgrößten europäischen Gaslieferanten Equinor aus Norwegen, Grete Tveit, Patrick Wendeler, CEO BP Europa, als auch Rasmus Errboe, CEO Europa bei Ørsted aus Dänemark, auf die großen Investitionen ihrer Unternehmen in Erneuerbare Energien und auf die Abkehr von fossilen Brennstoffen, die eine machbare Preisgestaltung für die Endverbrauchenden ermöglichen sollen.

Patrick Graichen, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, wurde in der Diskussion konkreter und sieht Chancen, den Stromgestehungspreis bis 2030 auf einen Betrag von unter 10 Cent/kWh zu begrenzen. Beim Gas dürfte sich nach seiner Meinung ab dem Jahr 2026 einhergehend mit einem Ausbau der LNG-Kapazitäten eine Entspannung des Marktes abzeichnen.

Dr. Susanna Zapreva, CEO von enercity in Hannover, wie auch die Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Ramona Pop, widersprechen diesen Prognosen nicht, verweisen aber auf die herausfordernde und belastende Situation in den kommenden Jahren.

Man darf gespannt bleiben, wie die Entwicklung aussehen wird.

(MF)

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