Welche Trends spielen für Kommunen im Jahr 2030 eine Rolle und was bedeutet das für die Stadtwerke?

Thüga Studie „Kommune 2030“

Nichts ist so konstant wie der Wandel. Da macht die Stadtwerke-Landschaft keine Ausnahme. Es kann also nicht schaden zu überlegen, wo die „Reise“ hingehen könnte. Vor diesem Hintergrund sprach der „energieverdichter“ mit Dr. Christoph Ullmer von Thüga AG über die Studie „Zielbild Kommune 2030“.

energieverdichter: Anfang des Jahres hat die Thüga die Studie fertiggestellt. Was sind die zentralen Ergebnisse?

Christoph Ullmer: Mit Blick auf das Jahr 2030 haben wir sechs für die Branche relevante Megatrends ausgemacht. Es handelt sich dabei um den demographischen Wandel, die zunehmende Urbanisierung, mehr Nachhaltigkeit in unserem Leben und die Sharing Economy, also die Bereitschaft, Produkte und Güter zu teilen. Hinzu kommen die Digitalisierung und die künstliche Intelligenz.

energieverdichter: Und die Trends schaffen neue Geschäftsfelder?

Christoph Ullmer: Insbesondere in den Bereichen Wohnen, Mobilität, Energieversorgung und Kommunikationsinfrastruktur. Lassen Sie mich zuerst auf das Thema „Wohnen“ eingehen und das Potenzial intelligenter Haushaltsgeräte beschreiben. Prognosen des Statistikportals Statista sehen hier einen Anstieg von ca. 1,2 Mrd. Euro Umsatz in 2017 auf ca. 3,9 Mrd. Euro im Jahr 2021. Dies entspricht einem jährlichen Wachstum von mehr als 33 Prozent. Anders ausgedrückt:  Jeder Haushalt in Deutschland wird 2021 rund 300 Euro für Smart-Home Produkte ausgeben. Gut für die Stadtwerke. Denn über die Technik erhalten sie zusätzliche Informationen zum Verbraucherverhalten, die sie zur Optimierung ihrer Anlagen und für den Verkauf neuer Produkte nutzen können.

energieverdichter: Der zweite Bereich ist?

Christoph Ullmer: … die Mobilität. Hier sind in der nahen Zukunft Lösungen zu finden, wie Personen effizienter, schneller und komfortabler transportiert werden können. Eine wichtige Rolle spielen dabei alternative Mobilitätskonzepte. Auch der weitere Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektromobile bietet Chancen für Wachstum und eine Vernetzung mit anderen Dienstleistungen. Und das nicht als Insellösung, sondern im Verbund mit zahlreichen weiteren Versorgungsunternehmen.

energieverdichter: Welche Optionen bietet die Energieversorgung?

Christoph Ullmer: Sie stellt in unseren Augen das dritte wichtige Handlungsfeld für Stadtwerke dar. So müssen die Stromnetze technologisch auf starke Verbrauchs- und Einspeiseschwankungen ausgerichtet sein, können diese Flexibilität aber auch gewinnbringend vermarkten. Das gilt insbesondere für die Verteilnetze. Darüber hinaus dürfte die Zusammenführung autarker Erzeuger und Verbraucher bzw. Prosumer Chancen für neue Geschäftstätigkeiten bieten.

energieverdichter: Einen Punkt haben wir noch nicht angesprochen.

Christoph Ullmer: Die Kommunikationsinfrastruktur. Sie schafft die Voraussetzung für neue digitale Angebote und Dienstleistungen. Stichworte sind öffentliche Cloud-Lösungen, die Nutzung von Elektromobilen als Speicher oder die Integration von selbst erzeugtem Strom in das Verteilnetz. Und es kommen weitere Anwendungsfelder hinzu, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.

energieverdichter: Hört sich interessant an, doch vielfach sind Kommunen oder Stadtwerke nicht in der Lage, entsprechende Maßnahmen alleine umzusetzen?

Christoph Ullmer: Grundsätzlich gilt, dass jede Kommune andere Eckdaten hat. Dort wo die eigenen Kapazitäten nicht ausreichen, sind Synergien zu nutzen. Die Erfahrung zeigt: Im Thüga-Verbund lassen sich Projekte, wie die Digitalisierung oder die Elektromobilität, mit Hilfe von Skalen-Effekten wirtschaftlich meistern. Über den Know-how-Austausch und die Zusammenarbeit ergeben sich Kostenvorteile, gleichzeitig werden mögliche Risiken auf mehrere Schultern verteilt. Und nicht zuletzt: ein Partner wie die Thüga kann Stadtwerken vor Ort den Rücken stärken, indem er deutlich macht, dass innovative Angebote und Leistungen auf einem soliden Fundament stehen.

26. Juli 2018|Aktuelles|0 Kommentare

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