Taugt Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell?

Ist Nachhaltigkeit ein Geschäftsmodell? Nicht zwingend, aber wer heute nicht nachhaltig wirtschaftet, hat einen klaren Nachteil im Wettbewerb, so die Erfahrung von Dr. Christian Becker, Vorstand der Stadtwerke Aachen. „Unsere Kunden im privaten wie gewerblichen Bereich erwarten von uns nachhaltige Produkte und Dienstleistungen. Zum Teil schon deshalb, da sie ihrerseits die Nachhaltigkeit des Lieferanten dokumentieren wollen“. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Die andere betrifft die künftige Geschäftsentwicklung und strategische Ausrichtung.

Aus diesem Grund hat der Aachener Energieversorger jetzt einen ersten Nachhaltigkeitsbericht erstellt, der die Jahre 2010 bis 2014 umfasst. Es wurden umfangreiche Daten aus den Bereichen Energieerzeugung und Handel sowie Eigenverbrauch erfasst. Hinzu kamen Zahlen aus der Forschung und der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen. Die Erhebung orientiert sich am GreenHouseGas-Protocol, einem weltweit anerkannten Instrument zur Quantifizierung und zum Management von Treibhausgasen.

Erste Ziele sind erreicht

So sei eine solide Basis geschaffen worden, um die eigene Position zu bestimmen und gleichzeitig die richtigen Entscheidungen für künftige Investitionen – auch unter ökologischen Gesichtspunkten – zu treffen. Beispielsweise konnte das Unternehmen die Eigenproduktion von Strom aus Erneuerbaren Energien von 2010 bis 2014 von 50 Gigawattstunden auf mehr als 250 Gigawattstunden vervielfachen. Besonderen Anteil daran habe der Ausbau von Wind- und Solaranlagen gehabt.

Ein anderer Punkt der heute in Anbetracht des Klimaschutzplans 2050 noch viel schwerer wiegt, sind die CO2-Emissionen. Hier, betont Becker, sei der gesamte Ausstoß in der Zeit von 2010 bis 2014 von knapp 1,2 Mio. Tonnen auf gut 920.000 Tonnen zurückgegangen, was umgerechnet einer Abnahme von 30 Prozent entspreche. Die Zahl sei umso erfreulicher, da ein Anstieg der Emissionen aus der Beteiligung am Kohlekraftwerk Lünen durch einen deutlich effizienteren Energieeinsatz in den Bereichen Netzbetrieb, Eigenerzeugung und Immobilienbewirtschaftung überkompensiert werden konnte. Insgesamt, so wird berichtet, sei der Nachhaltigkeitsbericht für die Stadtwerke Aachen eine wichtige Orientierungshilfe, um ihr mittelfristiges Ziel zu erreichen: Im Jahr 2020 sollen jährlich 600 Gigawattstunden Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugt werden.

Das Beispiel der Stawag kann nur eine subjektive Antwort auf die Frage sein, ob Nachhaltigkeit ein Geschäftsmodell ist. Inwieweit es zur Nachahmung taugt, muss jedes Unternehmen anhand seiner Eckdaten selbst entscheiden. Grundsätzlich falsch erscheint es aber nicht, eine Bestandsaufnahme in Sachen Nachhaltigkeit vorzunehmen und diese auch transparent  darzustellen.

22. November 2016|Aktuelles|0 Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar