Studie: Digitalisierung nimmt Fahrt auf, Umsetzung erfolgt jedoch zu langsam und unflexibel, die Unternehmensleitung ist gefragt

Nur langsam entwickelt sich in den deutschen Unternehmen das Bewusstsein für die Bedeutung der Digitalisierung, ihren Chancen und Notwendigkeiten. Das zeigt eine aktuell veröffentlichte Studie von etventure, der Gesellschaft für Konsumforschung und YouGov USA. Dabei wurden knapp 300 Unternehmen in Deutschland und den USA gefragt, wie ihre Digitalisierungsstrategien und Zukunftsvorhaben aussehen.

Für die Energiebranche interessante Ergebnisse in einer Vielzahl von Werten: Nur etwa die Hälfte aller Unternehmen in Deutschland hat das Thema „Digitalisierung“ auf der TOP-3-Agenda und in nur jeder dritten Firma mit mehr als 250 Mio. € Umsatz fühlt sich die Geschäftsleitung für die Transformation verantwortlich. Erschreckend, aber leider auch ein Eindruck, dem wir uns in den vielen regelmäßigen Gesprächen mit deutschen Versorgern nicht entziehen können.

Zwar gibt es Player wie EOn und EnBW, die auch bereits mit erfahrenen Online-Spezialisten wie Thermondo oder Start-ups wie DZ-4 zusammenarbeiten, aber sie und auch einige mittlere und kleinere Versorger auf der kommunalen Ebene sind rühmliche Ausnahmen. Wir müssen leider immer wieder feststellen, dass digitale Themen, Produkt- oder Prozessentwicklungen an die „jungen Wilden“ im Unternehmen delegiert werden und diese dann bei Geschäftsleitung oder Vorstand auf Granit beißen. Leitende Mitarbeiter mit Kenntnis der Markterforderlichkeiten treffen auf Geschäftsführer, die es nicht für nötig erachten, sich von kompetenter Seite über das Potenzial digitaler Medien und der Digitalisierung insgesamt zu informieren.

Blicken wir mal über den Versorgertellerrand hinaus, zeigt sich, wie es gehen kann. Die Beiersdorf AG präsentiert für 2016 ein Rekord-Ergebnis und verweist darauf, dass dies ohne Erhöhung des Marketing-Budgets und ausschließlich über die Schärfung der Marken und deren konsequente digitale Positionierung realisiert wurde. In Europa investiert Beiersdorf bereits 15 – 20 Prozent des Werbebudgets in digitale Kanäle. Da schlackern Marketingverantwortliche bei kommunalen Versorgern mit den Ohren und wünschen sich insgeheim das eine oder andere Mal  neue Chefs.

Wir wünschen der Branche und vor allem den Unternehmensleitungen mehr Bereitschaft und einen guten Schluck Mut bei der Bewältigung der anstehenden Herausforderungen in der Digitalisierung. Diese muss Chefsache werden, damit sie erfolgreich umgesetzt werden kann und alle mit ihr beschäftigten Mitarbeiter die gerade in schwierigen Prozessen notwendige Rückendeckung haben.

17. März 2017|Aktuelles|0 Kommentare

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