Wenn man sich die aktuellen Zahlen vom ZfK zu den deutschen Stromimporten des vergangenen Jahres noch einmal mit rationaler Ruhe anschaut, wirkt vieles doch weniger dramatisch, als es einen die ein oder andere aktuelle Debatte glauben machen mag.
Der Ausgangspunkt ist klar: 2024 hatte Deutschland ein Rekordjahr bei den Netto-Stromimporten. Unterm Strich kamen nach Abzug der Exporte mehr als 28 Terawattstunden (TWh) aus dem Ausland, so viel wie nie zuvor.
2025 blieb Deutschland zwar weiterhin Netto-Importeur, aber man kann Entwarnung an der Stelle geben. Deutschland importierte 76,2 TWh und exportierte 54,3 TWh. Der Saldo liegt damit bei 21,9 TWh und damit rund 6,4 TWh unter dem Vorjahr – kein Grund zur Sorge.
Was dabei wichtig ist und im Alltag oft vergessen wird: Import heißt nicht automatisch „wir können es nicht selbst“. Im europäischen Strommarkt entscheidet in vielen Fällen schlicht der Preis. Wenn Anbieter im Ausland aktuell günstiger produzieren, verdrängen sie teurere heimische Kraftwerke, meist fossile. Das ist eher ein Marktmechanismus als ein Beweis für einen akuten Mangel.
Spannend wird der Blick auf die Partnerländer: 2025 steht Dänemark wieder ganz oben und ist der größte Netto-Stromlieferant Deutschlands. 2024 hatte diesen Rang noch Frankreich. Allein dieser Wechsel zeigt, wie volatil die Handelsströme sind.
Parallel dazu bleibt der Stromverbrauch erstaunlich „unspektakulär“. In Summe wurden für 2025 rund 495 TWh genannt, also weiterhin unter 500 TWh und im Grunde auf Vorjahresniveau. Das passt nicht so richtig zu der bisherigen Erwartung, dass Wärmepumpen, E-Autos und mehr Elektrifizierung den Bedarf schnell nach oben treiben werden. Zwar findet das alles statt, offenbar jedoch langsamer als viele Szenarien es unterstellen.
Erneuerbare Energien haben 2025 im öffentlichen Netz erneut den Großteil geliefert. Die ZfK nennt hier 55,9 Prozent im öffentlichen Strommix, mit rund 256 TWh Einspeisung aus Wind, Solar, Biomasse, Wasser und Geothermie. Wind bleibt dabei die wichtigste Quelle mit 132 TWh, Photovoltaik steigt drastisch auf 87 TWh und überholt erstmals die Braunkohle in der öffentlichen Nettostromerzeugung.
Und dann ist da noch der Teil, der vieles im Import- und Preisgeschehen erklärt: Gas. Die Erdgasverstromung legt 2025 deutlich zu, ZfK spricht von 20 Prozent mehr Einspeisung ins öffentliche Netz als im Vorjahr. Als Treiber werden Dunkelflauten, gerade zu Jahresbeginn, und vergleichsweise günstiges Erdgas genannt. In der Einordnung zu den Handelszahlen heißt es außerdem, niedrige Gaspreise und höhere Börsenstrompreise in Deutschland und den Nachbarländern hätten die Eigenerzeugung begünstigt und Importe weniger attraktiv gemacht.
Das Fazit nach dem Zahlencheck ist für Fachleute daher pragmatisch: Ja, Deutschland importiert Netto-Strom. Aber 2025 zeigte zugleich, wie schnell sich diese Bilanz verändern kann, wenn Wetter, Preise und Kraftwerksfahrweisen drehen. Die eigentliche Aufgabe liegt weniger in der Frage „Import ja oder nein“, sondern darin, das System flexibler zu gestalten, damit schwankende Einspeisung, Dunkelflauten und Preissignale sauber abgefedert werden können.
Quelle: ZfK – https://www.zfk.de/energie/strom/stromimporte-deutschland-laender-prozent



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