Smart Home: Fluch oder Segen neuer Geschäftsfelder?

In der von starkem Wandel geprägten Energiewirtschaft ist es eine zentrale Aufgabe, neue zukunftsfähige Geschäftsfelder zu entwickeln. Das gilt für Stadtwerke ganz besonders, da die Erträge aus Erzeugung und Verkauf stark unter Druck stehen. Ein Geschäftsfeld, dem allgemein große Chancen bescheinigt werden, ist Smart Home, die intelligente Steuerung von Heizung und elektrischen Geräten. Im Gegensatz zu Baumärkten, die sich zunehmend in diesem Segment tummeln, haben kommunale Versorger den Vorteil der Kundennähe und des Know-hows. Schließlich will der Endverbraucher einen kompetenten Ansprechpartner in allen Fragen rund um die Technologie haben. Wir haben einmal die Probe gemacht und das Smart Home – System eines örtlichen Versorgers getestet.

Vom Grundsatz her war alles klar. Eine Zentrale und mehrere Komponenten wie Steckdosen, Lichtschalter und Heizungsregler, die mit dem Internet und auch untereinander verbunden werden müssen. Also ausgepackt und die Zentrale mit dem heimischen Router verbunden. Erst „downloaden“, dann „routen“, dann der ganze Vorgang noch einmal. Schließlich eine Fehlermeldung, dann „reset“ und im zweiten Anlauf wieder kein Erfolg. Nach längerem Suchen wurde endlich eine versteckte Mailadresse auf der Website des Anbieters gefunden. Also schnell eine Nachricht mit dem Problem versendet.

Die Antwort kam prompt und sah unterschiedliche Handlungsempfehlungen vor, die bis zum Aufspielen einer neuen Router-Software reichten. Wer einmal einen funktionierenden Router „abgeschossen“ hat und mehrere Tage ohne Internet war, weiß, dass man davon ohne Not die Finger lässt. Folgerichtig wurden andere Empfehlungen umgesetzt. Dabei zeigte sich, dass das nagelneue LAN-Kabel nicht funktionierte. Als dann ein altes Kabel, das noch in der Schublade lag, zum Einsatz kam, stand die Verbindung.

Jetzt galt es, die einzelnen Komponenten anzubinden. Und hier leider das gleich Bild: Ein Sensor hatte einen Wackelkontakt, und die Steckdose war gar gänzlich defekt – sie wurde vom System einfach nicht erkannt. Lediglich der Heizungsregler sprang an, wie man es erwartet.

Die gemachten Erfahrungen – vielleicht ein Einzelfall – zeigen, wie es nicht laufen darf. Es bleibt der Eindruck, dass man halbfertige Produkte bekommen hat und der Ärger über die vertane Zeit. Gleichzeitig wird an der Kompetenz des Anbieters gezweifelt. Was als attraktives Angebot für den Kunden gedacht war, schlägt ins Gegenteil um. In der Regel wird es längere Zeit dauern, bis das verlorene Vertrauen wieder zurückgewonnen ist.

Das Fazit unserer Erfahrung lautet: Unbedingt sicherstellen, dass das System mit all seinen Komponenten einwandfrei funktioniert und auch von einem IT-Laien ohne große Frustrationen zu installieren ist. Wenn dann noch – im Fall des Falles – schnell eine kostenlose und kompetente Hotline zur Verfügung steht, kann das auch nicht schaden. Andersherum gilt: Sollten sich Erfahrungen wie unsere unter Verbrauchern häufen und herumsprechen, dürfte es schwer sein, neue Geschäftsfelder erfolgreich zu entwickeln.

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