Neue Webplattform für Strom? Versorger aufgepasst!

Geld verdienen ohne Investition in eigene Produktionsmittel ist aktuell eines der Prinzipien in der Internetwirtschaft. Facebook, airbnb und uber haben es vorgemacht, nun folgen die nächsten Ideen und die Versorgungswirtschaft sollte aufmerksam hinsehen.

Powerpeers heißt das in den Niederlanden ansässige Unternehmen, das sich auf den direkten Strom-Verkauf zwischen dem Erzeuger (privater Windradbetreiber oder Photovoltaikbesitzer) und einem interessierten Abnehmer spezialisiert hat. Dabei handelt es sich um eine Ausgründung des schwedischen Großunternehmens Vattenfall, die seit Ende Juni online ist.

Die Realisierung dieses Geschäfts läuft über eine cloud-basierte Plattform und die Idee wird in einem knapp einmütigen Video recht einleuchtend vermittelt.

Die Zeitschrift Energie & Management informiert in einem Artikel über die Entstehung der Plattform und zitiert die drei Gründer Lars Falch, Rico Ligtvoet und Michiel Ooms: „Uns schwebte eine Plattform vor, mit der beispielsweise Besitzer von Solaranlagen ihren selbsterzeugten Ökostrom an die Nachbarschaft verkaufen können. Wir verkaufen keine Kilowattstunden, sondern bringen Ökostrom-Produzenten und Kunden zusammen.“ Das sei auch der Grund dafür, dass die Nutzer dieses Angebots eine Nutzungsgebühr bezahlen müssen.

Nächste Schritte

Der nächste Schritt wäre laut Aussage der niederländischen Unternehmensgründer sicherlich der Einsatz der Blockchain-Technologie, ein Begriff der in nächster Zukunft sicherlich auch unter den Themen deutscher Versorgerkongresse auftauchen wird. Der Grund: Die Anwender der Blockchain-Technologie brauchen für ihre Geschäftsprozesse keine weiteren Dienstleister. Sie bedienen sich sozusagen einer Kerntechnologie des Web 3.0 und können ihre Geschäftsprozesse mit Hilfe dieser Anwendungen ganz sicher untereinander im sogenannten peer-2-peer-Geschäft abwickeln.

Technologie

Bei der Block-Kette handelt es sich um ein digitales Protokoll, das hilft, online-Geschäfte sicherer realisieren zu können. Realisiert wird dies über eine zeitlich nacheinander geschaltete, kettenartige Verbindung von Datenblöcken. Die Blockchain ermöglicht damit bargeldlose, direkte Geschäfte zwischen Anbietern und Abnehmern. Zwischengeschaltete Instanzen wie Banken oder Zahlungsdienstleister werden überflüssig. So die Verheißungen der innovativen digitalen Technologie.

Der Einsatz der Blockchain-Technologie, im Finanzsektor bereits in der ersten Anwendung, steckt im Energiesektor noch in den Kinderschuhen. Aber es gibt Pilotprojekte und in New York wurde im April 2016 erstmalig der direkte Verkauf dezentral erzeugter Energie über ein Blockchain-System realisiert, wie eine Kurzstudie der Unternehmensberatung PwC für die Energieagentur NRW zum Thema „Blockchain – Chance für Energieverbraucher?“ berichtet.

„Zielsetzung“, so heißt es in der Einführung zu dieser Studie, „ist die Etablierung eines komplett dezentralen Energiesystems, in dem Energieproduzenten und Energieverbraucher auf Basis vordefinierter Verträge und ohne intermediäre Unterstützung automatisiert Energielieferverträge ausführen.“ Und weiter: „Die Blockchain-Technologie hat das Potenzial, zunächst einzelne Teilbereiche und langfristig den gesamten Energiemarkt gravierend zu verändern.“

Der Energieverdichter wird weiter beobachten und berichten.

 

23. August 2016|Aktuelles|0 Kommentare

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