Kraftwerk auf dem Balkon: Neue Umsatzverluste für die kommunalen Versorger?

Sie heißen „Simon“, „Solarheld“, „solar-pac“ oder „Greenerator“ und erinnern irgendwie alle ein wenig an die Lichtblick-VW-Idee, ein Kraftwerk im eigenen Heim zu installieren. Während die Lichtblick-Variante wegen mannigfaltiger Probleme zwischen den handelnden Unternehmen scheiterte und etwaige Gerichtsurteile noch ausstehen, sind folgende Ideen zu „Balkon-Energie-Lösungen“ eine intensivere Begutachtung der handelnden Akteure wert.

 Bei „Simon“ handelt es sich um ein Produkt, das von Greenpeace Energy vertrieben wird, die ein veritables politisches Interesse daran haben, die Erneuerbaren Energien zu pushen. Das ist sowohl legitim als auch ehrenhaft im Sinne des Emissionsabbaus. Und sie versuchen damit eine spürbare Zahl an grünen JüngerInnen ohne viel Nachdenken auf ihre Seite zu ziehen. Das alles mit einem grünen Engagement-Preis von insgesamt € 697,00 für das in Österreich produzierte Solarpanel mit eingebautem Wechselrichter. Im Nachbarland wird das Produkt gefertigt, damit die Transportwege schön kurz sind.

Nicht aus dem nahen Alpenland sondern aus dem fernen Asien stammt das noch nicht auf dem Markt befindliche Produkt „Solarheld“, denn dafür wird gerade auf der Crowdfunding-Plattform Startnext um pekuniäre Unterstützung geworben. Das scheint jedoch nicht so recht zu klappen, denn wenige Tage vor Ablauf der Aktion sind noch nicht einmal 25% des Fundingziels von € 100.000 erreicht. Der recherchierende Betrachter hat für diese Haltung der Wir-unterstützen-gute-Ideen-Community vollstes Verständnis, denn ein kurzer Blick hinter die Impressum-Kulissen und eine schnelle Google-Suche zeigen auf, dass sowohl hinter Solarheld als auch bei solar-pac die Infinitum Energie GmbH steht, und dass die solar-pac-Website genau das gleiche Produkt wie Solarheld bereits auf dem Markt anbietet. Man fragt sich, wofür man dann Crowdfunding unter einem neuen Namen braucht. Warum nicht einfach einen Kredit zur Geschäftsausweitung aufnehmen? Das grenzt ein wenig an Volksveräppelung,

Von einer etwas anderen Seite näherte sich bereits im Jahr 2010 der „Greenerator“ des US-Entwicklers Jonathan Globerson dem Thema „Bioenergie vom Balkon“. Sein Produkt vereinte die Nutzung von Wind- und Solarenergie in ästhetisch anspruchsvollem Design und kann nach Angaben des Erfinders bis zu 1.000 kWh jährlich liefern. Leider fand sich bisher kein Investor, der dieser Idee zum Durchbruch verhalf.

Eine Gemeinsamkeit haben alle Projekte: Sie bewegen sich rechtlich alle außerhalb der aktuellen deutschen Gesetzgebung, denn die Einspeisung von Strom in das Energienetz, auch wenn diese Energie direkt dem Eigenverbrauch zu Gute kommt, ist auf Basis der relevanten Rechtsprechung nicht erlaubt.

Das könnte sich jedoch in absehbarer Zeit ändern, denn in der Schweiz und in Holland dürfen schon heute Anlagen mit einer Leistung von 400 bzw. 600 Watt eigenständig betrieben werden und in Österreich sind Kleinsterzeugungsanlagen von den Regelungen für Netzbetreiber und -benutzer ausgenommen. Dagegen spricht allerdings die Lobbyarbeit von BDEW, VDE, VKU & Co. und die wird sicher keiner Änderung unterzogen. Also: Alle wieder hinlegen und weiterschlafen oder das Thema Schwarmenergie doch einmal näher unter die Lupe nehmen?

22. Juni 2016|Aktuelles|0 Kommentare

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