Intelligentes Stromnetz besteht „Feuertaufe“

Bei der künftigen Versorgung mit Wind- und Solarstrom kommt den Verteilnetzen eine wichtige Rolle zu. Sie müssen stetig wachsende und zudem bei der Einspeisung stark schwankende Mengen aufnehmen und zum Endverbraucher transportieren. Um diese Anforderungen zu erfüllen, ist eine umfassende Ertüchtigung der Verteilnetze auf der Mittelspannungsebene unumgänglich. Doch Deutschland hinkt derzeit bei der Umsetzung deutlich hinterher. Dabei könnten gerade intelligente Netze, die das Zusammenspiel von Stromanagebot und -nachfrage im Netz optimieren, einen wichtigen Beitrag leisten.

In diesem Zusammenhang berichtete vorige Woche Prof. Albert Moser von der RWTH Aachen von einer gemeinsam mit der TU-Dortmund durchgeführten Untersuchung. Demnach sei bis 2025 eine Verdreifachung der Stromerzeugung aus Wind und Sonne auf jährlich gut 41 Terrawattstunden zu erwarten. Hinzu kämen noch 37 Terrawattstunden aus der Kraft-Wärme-Kopplung, was einer Verdopplung des heutigen Stands entspreche. Vor allem für das Mittelspannungsnetz in ländlichen Regionen bedeute dies: Ohne zusätzlichen Ausbau könnten nur etwa 50 Prozent der Energiemenge vom Netz aufgenommen werden. Abhilfe biete unter anderem ein Einspeisemanagement, wie es in intelligenten Netzen möglich sei. Bei einer selektiven Spitzenlastkappung um fünf Prozent könnten 71 Prozent der Verteilnetze ihre Aufnahmekapazität verdoppeln.

Von der Theorie zur Praxis. Wie weit die Entwicklung mittlerweile vorangekommen ist, wurde jetzt auf einer Fachkonferenz zum Thema „Smart Area Aachen“ deutlich. Das vom Bundesministerium geförderte Projekt geht nach fünf erfolgreichen Jahren auf die Zielgrade, berichtete Robert Frings von der Infrawest GmbH, einer 100-prozentigen Stawag-Tochter. Infrawest ist einer von 13 Partnern und koordiniert die einzelnen Maßnahmen federführend. „Wir haben in sechs Teilbereichen innovative technische Lösungen erarbeitet und in abschließenden Feldtests auf ihre Leistungsfähigkeit im Stromnetz von Aachen geprüft“, ergänzt sein Kollege Peter Zimmer. Im Detail handelt es sich dabei um „Intelligente Ortsnetzstationen“, „neue Regelungsverfahren für Ortsnetztransformatoren“ und den „Aufbau einer projektübergreifenden Kommunikationsstruktur“.  Weitere Projektteams kümmerten sich um die „Netzzustandsschätzung“, die „Netzplanung“ und die „Instandhaltung“. Insgesamt hätten die bisher ausgewerteten Ergebnisse den Nachweis erbracht, dass die im Netzgebiet der Infrawest angewandten technischen Lösungen funktionierten und ein störungsfreier Betrieb möglich sei, wenngleich noch vereinzelt Nachbesserungspotenzial bestehe, wurde berichtet. Intelligente Netze und nicht der Bau zusätzlicher Freileitungen seien der richtige Weg, um künftig eine effiziente Stromversorgung sicherzustellen. Nun gehe es darum, die Erfahrungen für die zügige Umsetzung im größeren Maßstab zu nutzen.

12. Juli 2016|Aktuelles|0 Kommentare

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