Hat Deutschland genug „Erneuerbare“ für die Energiewende?

Die Perspektive klingt vielversprechend. Um die CO2-Emissionen nachhaltig zu reduzieren, kommen immer mehr Treibstoffe aus erneuerbaren Quellen zum Einsatz. Ein zentraler Ansatz ist dabei die Nutzung von überschüssiger Wind- und Sonnenenergie zur Erzeugung von Wasserstoff, Methan oder synthetischem Kraftstoff. Diese Energieträger lassen sich speichern, transportieren und bedarfsgerecht einsetzen. Klingt gut, ist es auch. Nur gilt es große Hürden zu nehmen, bis es so weit sein könnte. Denn wir brauchen nicht nur regenerativ erzeugten Strom, um Methan und Co. zu produzieren, sondern auch zunehmend zur Beheizung von Wohnungen und für die Elektromobilität – insbesondere wenn die konventionelle Erzeugung Schritt für Schritt vom Netz geht. Wie sieht es hier mit der Versorgung aus?

Ein Blick auf Kapazitäten und Bedarf sorgt schnell für Ernüchterung. Derzeit haben wir in Deutschland eine Erzeugungskapazität von rund 212 Gigawatt, wovon gut 104 Gigawatt auf die Erneuerbaren entfallen. Der schwankende tägliche Bedarf macht den Betrieb von Anlagen mit einer Kapazität zwischen 40 und über 80 Gigawatt erforderlich. In einer rein regenerativen Energiewelt müssten also beim derzeitigen Bestand zu Spitzenzeiten vier Fünftel aller Anlagen unter Volllast laufen. Doch davon sind wir noch weit entfernt. Beispielsweise lag der Verbrauch am 20. Dezember um 9 Uhr bei knapp 70 Gigawattstunden (GWh). Er wurde zu etwa 61 GWh aus der konventionellen und zu 8,4 GWh aus der regenerativen Erzeugung gedeckt. Der Grund: Aufgrund der Wetterlage stand kein Sonnenlicht für die Photovoltaik zur Verfügung, und der Wind blies nur relativ schwach.

Um den – weiter steigenden – Bedarf vollumfänglich über Erneuerbare Energien sichern zu können, brauchen wir also einen massiven Ausbau der Sonnen- und Windenergie hin zu einer deutlichen Überkapazität sowie ausreichende P2X-Anlagen und Speichermöglichkeiten. Während die Gasinfrastruktur bereits große Mengen an Wasserstoff und synthetischem Methan aufnehmen kann und einen Lösungsansatz bietet, hapert es noch bei den Umwandlungsanlagen. Sie sind nicht nur weit von der Wirtschaftlichkeitsgrenze entfernt, sie sind auch zahlenmäßig sehr überschaubar. Aus der Branche sind daher Vorschläge zu hören, dass in den nächsten zehn Jahren mit der Unterstützung durch öffentliche Gelder eine Kapazität von 1,5 Gigawatt aufgebaut werden soll. Doch was sind 1,5 Gigawatt in Anbetracht des Gesamtbedarfs?

Der zweite Punkt ist der notwendige Ausbau der „Windräder“ und „Solardächer“ – für den aktuellen Bedarf, aber auch um  mit Hilfe der P2X-Technologie wind- und sonnenarme Zeiten zu überbrücken. In diesem Zusammenhang geht die anerkannte Kölner „ewi – Energy Research & Secenarios GmbH“ von einer Vervierfachung der EE-Erzeugungskapazitäten bis 2050 aus, um den gesamten Strombedarf in den Bereichen Wärme, Mobilität und elektrische Anwendungen decken zu können. Anders ausgerückt reden wir von rund 400 Gigawatt regenerativer Erzeugungsleistung. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten unter anderem die derzeit über 25.000 Windräder in Deutschland – trotz Repowering – auf mehr als 80.000 Anlagen zulegen. Schwer vorstellbar bei dem Mangel an geeigneten Standorten und zunehmenden Bürgerprotesten.

Ist Globalität eine Lösung?

Wie könnte eine Lösung aussehen? Es spricht vieles dafür, dass Deutschland seinen Bedarf an elektrischer Energie ohne Atomkraftwerke und konventionelle Kohle- und Gaskraftwerke nicht vollständig aus eigener Kraft erzeugen stellen kann. Denkbar scheinen eher Szenarios, großer Anlagen in sonnenreichen Regionen Spaniens oder Nordafrikas, die mittelfristig Strom und synthetisches Methan produzieren und über bestehende Leitungen in die Bundesrepublik transportieren. „Energy goes global“, was bleibt, ist die Abhängigkeit.

Aber es gibt noch einen weiteren Ansatz. Durch den „vernünftigen“ Einsatz von Energie lassen sich erhebliche Mengen einsparen. Die Beispiele kennen wir alle, und sie sind banal: Fahrrad oder ÖPNV statt Auto, Pullover statt 25 Grad in der Küche, Produkte aus der Region statt Importe oder Kauf energieeffizienter Geräte. Es liegt an uns.

In diesem Sinne wünscht der „energieverdichter“ frohe Weihnachten, einen guten Rutsch und ein erfolgreiches gesundes Jahr 2018. Bleiben Sie uns gewogen.

22. Dezember 2017|Aktuelles|0 Kommentare

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