Erdgasspeicher mit historisch niedrigem Füllstand

Wie steht es um die Versorgungssicherheit beim Erdgas im kommenden Winter? Einer, der es wissen muss, ist Stephan Kamphues, Sprecher der Geschäftsführung der Essener Open Grid Europe GmbH. Seine Einschätzung vor über 100 Branchenvertretern auf dem zweiten Energiepolitischen Dialog des Unternehmens, der am 21. Oktober stattfand, lautete: „Die Füllstände der Erdgasspeicher sind für diese Jahreszeit auf einem historisch niedrigen Niveau“ (77 Prozent BRD, 57 Prozent Belgien, 87 Prozent Frankreich).

Als Grund nannte er die Kosten für die Einspeisung. Sie würden derzeit höher sein als der Preisvorteil, der sich beim Kauf von Sommergas ergebe. Deshalb hätten sich einige Unternehmen bisher beim Bezug zurückgehalten. Sollte der kommende Winter ähnlich mild wie 2014 / 2015 verlaufen, bestehe kein Anlass zur Sorge. Bei anhaltend strengen Minustemperaturen müsse die Infrastruktur jedoch in ihrer vollen Leistungsfähigkeit genutzt werden, um die Versorgung sicherzustellen. Der von Seiten der Politik gelegentlich erhobenen Forderung an einer nationalen Erdgasreserve erteilte Kamphues in diesem Zusammenhang aber eine klare Absage.

Hinsichtlich der Marktchancen von Erdgas wurde beim Energiepolitischen Dialog darauf hingewiesen, dass durch ein zunehmendes LNG Angebot der Druck auf das klassische Pipelinegas und damit auch auf die Preise zugenommen habe. Für den Energieträger sei das wichtig, da Erdgas insbesondere in der Industrie und der Stromerzeugung nur über günstige Konditionen wettbewerbsfähig sei. Dazu passt auch, dass das Land Niedersachsen nach Aussage des Wirtschaftsmagazins Capital einen neuen Anlauf zum Bau eines Flüssigerdgas-Terminals in Wilhelmshaven unternommen hat.

Grundsätzlich einig war man sich auf der Veranstaltung bezüglich der Zukunft von Erdgas. Ohne die „flüchtige Energie“ seien die Klimaziele nicht zu erreichen. Insbesondere da Erdgas mit seinen spezifischen Emissionsvorteilen im Wärmemarkt, der Industrie, der Stromerzeugung und der Mobilität eingesetzt werden könne. Gute Gründe für kommunale Versorger, dies in ihren Marketingaktivitäten entsprechend zu berücksichtigen.

22. Oktober 2015|Aktuelles|0 Kommentare

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