Energiewende nur mit Gas?

Es stand schon lange im Raum, mittlerweile ist es gewiss. Deutschland hat sein ursprüngliches Klimaziel nicht erreicht. Statt den CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken, werden es wohl nur etwas über 30 Prozent sein. Gleichzeitig sprechen sich die EU-Mitgliedsstaaten für ein unverbindliches Effizienzziel von 32,5 Prozent im Jahr 2030 aus. Nachhaltige Erfolge – da sind sich die Experten weitgehend einig – lassen sich nicht ohne den intelligenten Einsatz von Gas beziehungsweise Biogas erreichen.

Vor diesem Hintergrund wurde in der letzten Zeit wieder verstärkt die „Werbetrommel“ für diesen Energieträger gerührt, was sich vor allem in zahlreichen Veröffentlichungen zeigte. Aber warum auch nicht, schließlich sprechen einige gut nachvollziehbare Gründe dafür. So verfügt Gas über hervorragende Produkt- und Verbrennungseigenschaften, im Vergleich zu anderen fossilen Energieträgern sind die CO2-Emissionen signifikant geringer, und es besteht eine moderne, leistungsfähige Versorgungsinfrastruktur. Noch besser fällt die Bilanz aus, wenn synthetisches Gas miteinbezogen wird.

Technologieoffenheit notwendig

Unterstützt wird diese Auffassung durch die dena-Leitstudie „Integrierte Energiewende“, die eine technologieoffene Transformation des Energiesystems postuliert. Im Detail heißt es dazu: Mit der Energiewende wirken starke Veränderungskräfte auf die gewachsenen Strukturen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien erhöht den Bedarf an Flexibilität im System. Die Erzeugung richtet sich nicht mehr allein nach dem Verbrauch, der Verbrauch reagiert auch auf Schwankungen in der Erzeugung. Ohne Frage können Power-to-Gas und synthetisches Gas hier die Flexibilität deutlich erhöhen, indem sie die einzelnen Verbrauchssektoren miteinander verbinden. Überschüssiger regenerativer Strom wird durch die Umwandlung in Methan beziehungsweise Wasserstoff speicherbar und transportfähig. So kann die Energie effizient und zeitunabhängig dort eingesetzt werden, wo sie gebraucht wird.

Ein genauer Blick auf die drei Sektoren „Stromerzeugung“, „Wärmemarkt“ und „Mobilität macht das deutlich. Zuerst zur Stromerzeugung. Hier ist der Ausstieg aus der Kohle entscheidend für eine schnelle und umfangreiche Reduzierung von CO2-Emissionen. In einem Aktionsprogramm der Bundesregierung soll daher unter anderem festgelegt werden, wie die Kohleverstromung schrittweise gegen Null gefahren wird. Ein Ansatz, den der DVGW mit Blick auf die Einsparpotenziale begrüßt. So würde ein kompletter Umstieg der deutschen Kraftwerke von Braunkohle auf Erdgas den CO2-Ausstoß sofort um 110 Millionen Tonnen jährlich verringern. Zudem können Gaskraftwerke durch ihre flexible Betriebsweise die volatile Einspeisung erneuerbarer Energien kurzfristig und sicher ausgleichen. Aktuell sind in der Bundesrepublik Gaskraftwerke mit einer Kapazität von 23.000 Megawatt installiert und einsatzbereit. Diese könnten sofort die Braunkohleverstromung ersetzen.

CO2-Emissionen mit Biogas und Gas verringern

Auf den Wärmemarkt entfällt derzeit rund ein Drittel des deutschen Energieverbrauchs. Experten werden nicht müde, darauf hinzuweisen, dass ein großer Modernisierungsbedarf besteht und deutliche Effizienzsteigerungen möglich sind. Würden zum Beispiel zehn Millionen veraltete Heizkessel durch moderne Gastechnologien ersetzt und davon wiederum zehn Prozent mit Biomethan betrieben, ließen sich bis zu 45 Millionen Tonnen CO2 jährlich einsparen. Außerdem könnten die 20 Millionen Haushalte, die bereits an das Gasnetz angeschlossen sind, schon jetzt durch eine Entscheidung für grünes Gas problemlos zum Klimaschutz beitragen.

Wenig getan hat sich bisher auch auf den deutschen Straßen, wo knapp ein Viertel des gesamten CO2-Ausstosses im Verkehrssektor anfällt. 2017 nahmen die Emissionen um 3,8 Millionen Tonnen oder 2,2 Prozent auf gut 170 Millionen Tonnen zu. Den größten Anteil daran hatte der Schwerlastverkehr mit einem Plus von 4,1 Prozent. Angesichts dieser Zahlen kommen mit Gas betriebene Fahrzeuge immer stärker ins „Spiel“. Sie emittieren im Vergleich zum Diesel bis zu 97 Prozent weniger Feinstaub und bis zu 85 Prozent weniger Stickoxid. Zudem wird der CO2-Ausstoß um fast 25 Prozent reduziert. Mit Biomethan und synthetischen Gasen können Gas-Fahrzeuge mittelfristig sogar weitgehend emissionsfrei angetrieben werden.

Die Fakten liegen auf dem Tisch. Jetzt ist die Politik am Zug.

2. Juli 2018|Aktuelles|0 Kommentare

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