Der Energieverdichter möchte das Jahr 2025 mit einem Beitrag beschließen, den einige Zeitgenossinnen und Zeitgenossen sicherlich als Utopie einstufen werden, aber wie viele zunächst einmal nur theoretisch angedachte Ideen wurden in der Vergangenheit nicht irgendwann wirklich umgesetzt? Denken wir nur an Automobile, das Flugzeug, die Biometrie, den Roboter oder die künstliche Intelligenz. Lange wurde diskutiert, irgendwann wurden die Dinge zur Realität. 

Deshalb machen wir heute auf eine Studie aufmerksam, die ein Forscherteam um den Studienleiter Hou Jiang vom Institut für geografische Wissenschaften und Naturressourcenforschung an der chinesischen Akademie der Wissenschaften in der Zeitschrift nature veröffentlicht hat. Basis dieser Forschungsergebnisse ist die Verknüpfung der bereits seit langer Zeit in China und anderen Ländern laufenden Entwicklungsschritte hin zu Ultrahochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (UHVDC), die Strom über Tausende von Kilometern mit minimalen Verlusten transportieren sollen, mit dem theoretischen Ansatz, eine weitgehend autarke Energieversorgung aller Regionen der Erde mit erneuerbaren Energiequellen (EE) zu ermöglichen. Die Forschungen zeigten, dass bedingt durch Zeitverschiebungen und Tag-/Nachtphasen in den unterschiedlichen Erdregionen die Energiemenge aus Solar- und Winderzeugung reichen würde, um den globalen Bedarf zu decken. 

Die Forschenden setzten bei ihren Untersuchungen voraus, dass die gesamte Welt mittels eines Netzwerkes aus UHVDC-Leitungen verbunden sei und die theoretische Menge von erzeugtem EE-Strom mittels einer (KI-)Echtzeit-Steuerung über diese Leitungen weltweit transportiert werden könnte. Das Ergebnis überrascht: Bereits 2050 könnte ein solches Netzwerk auf Basis von regenerativen Energien das Dreifache des voraussichtlich jährlich nötigen Strombedarfs decken. Regionale Energieengpässe gehörten der Vergangenheit an. Unterstrichen werden die Forschungsresultate mit umfassenden Übersichten zu Bedarfen, Potenzialen, Kapazitäten und Konstruktionszeiten rund um den Globus, die dem Artikel zu entnehmen sind. 

Natürlich ist uns klar, das ist nur Theorie und wir erinnern uns alle an DESERTEC und die hochlaufenden Pläne, afrikanische Solarenergie mittels hochleistungsfähiger Leitungen nach Europa zu transportieren, um hiesigen Energiehunger zu stillen. Siemens war von 2009 bis 2014 sehr aktiv an diesem Projekt beteiligt. Dann stieg nicht nur der deutsche Konzern wegen der enorm hohen Kosten aus.  

Nur eine Vision oder ein real erreichbares Fernziel?

Heute sind wir 10 Jahre weiter und die Künstliche Intelligenz feiert einen extrem hochlaufenden Einstand im täglichen Leben. Und wer weiß, wann die Wissenschaft die Entwicklung von UHDCV so weit vorangetrieben hat, dass diese Leitungen eingesetzt werden können? Natürlich gilt es enorme Infrastrukturkosten zu stemmen, wenn man die Kontinente mittels Seekabel über riesige Strecken miteinander verbinden will und es sind dafür viele Beteiligte an einem Tisch zu versammeln. Aber auch bei den Telegrafen- und Telefonkabeln Mitte des 19. und 20. Jahrhunderts waren die Investitionen für damalige Verhältnisse enorm. 

Schwieriger wird eine „Energieverkabelung“ der Welt sicherlich vor dem Hintergrund politischer und wirtschaftlicher Interessen, auch wenn ein solches Projekt vielen Regionen auf der Erde sehr helfen würde. Es dürfte den Verantwortlichen jedoch zumindest sehr schwerfallen, bei den aktuellen politischen Verschiebungen hin zu nationalistisch orientierten Politikentscheidungen in vielen Ländern, eine Einigung zu finden, die Kontinente und Staaten miteinander zu verbinden und damit auch Abhängigkeiten aufzubauen. Dies müssen wir an dieser Stelle jedoch nicht tiefergehend erörtern, denn gerade zum Jahresende darf man ja auch einmal Wünsche äußern und über Visionen nachdenken. 

Feiern Sie mit diesen Gedanken besinnliche Feiertage. Die Redaktion des Energieverdichters wünscht alles Gute für das Jahr 2026. Wir verabschieden uns zum Ende des Jahres auch von X und werden zukünftig unsere Informationen für die Energiebranche, unsere Kunden und solche die es werden wollen via LinkedIn verbreiten.  

(PD)

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