Digitale Transformation – woran es auch 2018 wieder häufig scheitern wird

Der Begriff Digitalisierung oder „Digitale Transformation“ ist wohl eines der Buzzwords, das in den letzten Wochen und Monaten in so gut wie keinem Artikel eines Online-Wirtschaft-Blattes fehlen durfte. Das Problem: Der Begriff ist allgegenwärtig, jedoch versteht jeder etwas anderes darunter.

Für uns ist die digitale Transformation die abteilungsübergreifende Anpassung (neudeutsch: Upgrade?)  eines Unternehmens auf die Anforderungen der aktuellen Zeit. Dabei geht es nicht um hippe Marketingmaßnahmen, sondern um zeitgemäße Kunden-Kommunikation, damit das Unternehmen konkurrenzfähig bleibt. Der Spielwarenladen in der Straße offeriert nun auch Online-Shop-Bestellung oder die Abwicklung via WhatsApp an. Der Solartechnik-Anbieter eröffnet potentiellen Interessenten, ihre zukünftige Anlage online grob zu kalkulieren. Und die Stadtwerke verkaufen nicht nur Regionalstrom, sondern bieten auf ihrer Website ein Edutainment-Angebot, wie z. B. ein Browser-Spiel, das nachfolgenden Generationen erläutert, wo der Strom herkommt und wie er den Weg in die Wohnung der Eltern findet. Emotionale Kundenbindung at its best.

Die Beispiele zeigen, an welcher Stelle sich Unternehmen aktuell befinden: Die Einen sehen großen Bedarf an der Entwicklung neuer Zielgruppen, die Anderen haben gar keine Planung für die Digitalisierung und suchen nach Orientierung.

Das größte Problem

Leider müssen wir bei Digitalisierungsprojekten immer wieder feststellen, wie unklar sich die Verantwortlichen über die eigene Marke sind. Da fehlt es an Kernformulierungen zur Positionierung, an einem klaren Claim, der kurz und bündig die Kernkompetenz beschreibt oder einer eindeutigen Formulierung der eigenen Leistungsfähigkeit.  Es fehlt schlichtweg eine Corporate Identity.  Und ohne eine solche Positions- und Richtungsbestimmung fehlt den Mitarbeitern, aber auch den Kunden des Unternehmens/der Marke das grundlegende Verständnis der Identität. Dabei wäre dies, auch und gerade im Umfeld der Digitalisierung, eine wichtige Grundlage für Stoßrichtung, Stil und Steuerung notwendiger Maßnahmen.

Worum handelt es sich bei dieser angesprochenen Identität?

Zur Entwicklung einer Corporate Identity, oder auf Deutsch Unternehmensidentität, gehört die deutliche Beantwortung einfacher, aber nicht weniger wesentlicher Fragen:

  • Wer sind wir?
  • Was zeichnet uns aus/Was macht uns besonders?
  • Welche Ziele verfolgen wir?
  • Was ist unser Produkt/unsere Leistung?
  • Wer ist unsere Zielgruppe?
  • Wo liegen unsere Stärken?
  • Welche Werkzeuge setzen wir ein, personell wie technisch?

Nur wenn diese Fragen für alle Teammitglieder eindeutig formuliert und die Antworten allen MitarbeiterInnen bekannt und von ihnen verstanden werden, können diese – auch beispielsweise in den sozialen Medien – im Sinne der Marke zielgerichtet und vernünftig agieren. Nur so können sie Formulierungen finden, die das Unternehmen/die Marke in einer Art und Weise repräsentieren, wie es auch von der Geschäftsführung akzeptiert wird. Und nur wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, wird die immer wieder gewünschte Authentizität der Beiträge erreicht.

Daraus ergibt sich auch, dass ein digitaler Kanal nicht unbedingt von einem „Digital Native“, also von einem Menschen, der mit dem Laptop und dem Smartphone groß geworden ist, redaktionell zu betreuen ist, wenn dieser die Identität des Unternehmens auf Grund kurzer Betriebszugehörigkeit noch gar nicht kennen kann. Viel wichtiger ist das Verständnis um die sachlichen Themen und das Selbstverständnis des Unternehmens oder der Marke. Das notwendige Wissen um die Bedienung von Website, Blog, Facebook, Twitter, Snapchat & Co. ist oft weniger schwierig, wenn klar ist, wo die Reise hingehen soll.

Wie findet man seine „Corporate Identity“?

Holen Sie sich auf jeden Fall externe Hilfe. Vertrauen Sie dabei vor allem auf Agenturen, die sowohl ihre Branche als auch den Weg zur eigenen Identität kennen. Denn jede Positionierung eines Unternehmens muss von Zeit zu Zeit überdacht werden, muss sich der kritischen Auseinandersetzung mit der aktuellen Marktentwicklung, der Ausrichtung im Wettbewerbsumfeld und den Ansprüchen der Kunden stellen.

Vertrauen Sie bei einem solchen Prozess auch ruhig denen, die mutig sind und ehrlich Missstände ansprechen und formulieren.  Reden Sie Klartext und lassen Sie alle Gruppen Ihres Unternehmens zu Wort kommen.

Sie werden sehen, die Herausbildung einer eindeutigen und von allen dann auch gelebten Corporate Identity lässt gerade die anstehenden Aufgaben der digitalen Transformation von allen Beteiligten leichter bewältigen. Und sorgt ganz nebenbei auch in der Kommunikation mit bestehenden wie potentiellen Kunden für eine präzisere, authentischere Ansprache.

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar