Die Stadtwerke und der Ölpreis

Es ist noch nicht lange her, da kostete das Barrel Rohöl deutlich über 100 Dollar. 2012 lag es in der Spitze sogar über 125 Dollar – mit entsprechenden Preisausschlägen bei Diesel, Benzin und Heizöl. Mittlerweile hat sich das Bild jedoch deutlich gewandelt. Schien es vor kurzem noch so, als sei mit der Marke von 35 Dollar pro Barrel der Tiefpunkt erreicht, fielen die Beschaffungskosten weiter auf bis zuletzt weniger als 30 Dollar.

Die Verbraucher freut es. Ihr Haushaltsbudget wird durch günstige Energiepreise spürbar entlastet. So kostet der Liter Heizöl derzeit um die 46 Cent bei einer Abnahmemenge von 3.000 Litern. Zum Vergleich: Im Februar 2013 lag der Preis bei knapp 90 Cent pro Liter. Leicht auszurechnen, dass die Ersparnis gegenüber dem Vergleichswert bei einem Jahresverbrauch von 3.000 Litern bei 1.320 Euro liegt. Etwas anders sieht es beim Gas aus. Laut Statistischem Bundesamt sank der Gaspreis für Haushalte von 6,6 Cent pro kWh im ersten Halbjahr 2013 auf aktuell etwa 5,3 Cent pro kWh. Umgerechnet entsprechen 3.000 Liter Heizöl dem Heizwert von rund 30.000 kWh Gas. Entsprechend multipliziert, ergibt sich für das Gas so ein Preisrückgang von 1.170 Euro gegenüber 2013. Oder plastisch ausgedrückt: Ein Privathaushalt hat rund 150 Euro mehr gespart, wenn er Heizöl zur Wärmeerzeugung nutzt.

Was bedeutet diese Entwicklung für Stadtwerke? Einmal, dass viele Hausbesitzer den Preisverfall und die Unterscheide zwischen Öl und Gas aufmerksam verfolgen. Schließlich geht es um „bares Geld“. Dabei kommt dem plakativ niedrigen Rohölpreis Signalwirkung zu.

Geht es um die Frage der Heizungserneuerung, dürfte die Bereitschaft zur Umstellung auf einen neuen Gasbrenner angesichts der aktuellen Energiekosten spürbar abnehmen. Hinzu kommen noch die Erschließungskosten für die Leitung von der Straße in den Keller, die ebenfalls in einer Gesamtkostenbetrachtung nachteilig zu Buche schlagen. Mit der Konsequenz, dass Hauseigentümer, die gerade eine Ölheizung durch eine neue Ölheizung ersetzt haben, für die nächsten 20 Jahre nicht als Gaskunde zu gewinnen sind. Zweifellos wirkt sich die aktuelle Energiepreisentwicklung am stärksten auf den Wärmemarkt aus.

Aber es gibt noch weitere Bereiche, in denen sich die gefallenen Rohölpreise bemerkbar machen. Das Stichwort lautet hier: kommunaler Fuhrpark. Zunehmend setzen Unternehmen Gas betriebene Busse und Lastkraftwagen ein. Das sorgt zwar für bessere Luft in den Innenstädten, ist aber auch mit bis zum 30.000 Euro höheren Anschaffungskosten verbunden. Nun gibt es unterschiedliche Wirtschaftlichkeitsberechnungen, doch kommen sie überwiegend zu dem Schluss, dass sich Erdgasfahrzeuge nur bei deutlich niedrigeren Energiepreisen rechnen. Gleichzeitig schwebt das Damoklesschwert des immer noch nicht verlängerten Steuervorteils auf Erdgas über der ganzen Entwicklung. Bleibt als Fazit: Ein deutlich gesunkener Mineralölpreis dürfte sich nachteilig auf die kommunale Erdgasmobilität auswirken.

Eng damit verbunden ist auch ein dritter Aspekt: Die Elektromobilität. Das politische Ziel lautet, eine Million Fahrzeuge bis 2020 auf Deutschlands Straßen zu bringen. Allerdings ist es mehr als „sportlich“, da derzeit noch keine 20.000 Einheiten zugelassen sind. Da Elektroautos ohnehin preislich deutlich teurer als konventionell angetriebene Fahrzeuge sind, wird ein günstiger Benzin- und Dieselpreis deren weitere Verbreitung nicht gerade forcieren.

Das gilt vor allem für Privatpersonen, aber auch Stadtwerke werden diesen Aspekt bei ihren Überlegungen nicht außer Acht lassen. Frei nach dem Motto: Wenn ich mich ökologisch engagiere, dann dort, wo das beste Preis-Nutzenverhältnis zu erzielen ist.

Welche Handlungsoptionen haben Stadtwerke angesichts des günstigen Ölpreises? Zweifelsohne sollten sie sich vor allem auf den Wärmemarkt konzentrieren. Hier die „Segel“ zu streichen, wäre fatal. Gas hat hervorragende Produkteigenschaften und viele Vorteile. Es sind attraktive Umsteiger-Pakete zu schnüren und deren Vorteile entsprechend zu kommunizieren – noch stärker als bisher. Die Grundlage bilden dabei ein klares strategisches Konzept, ausgesuchte Maßnahmen und Kreativität. Es kommt vor allem darauf an, in der aktuellen Phase „Umsteige-Kunden“ für Gas zu überzeugen; die langfristige Bindung ergibt sich dann mit etwas Geschick von selbst.

Ein Argument ist besonders herauszustellen: Nahezu alle Experten sind sich einig, dass der niedrige Ölpreis nicht von Dauer sein wird. Dafür sprechen die Marktmechanismen. Denn aufgrund der niedrigen Erträge fährt die Mineralölwirtschaft ihre zukunftsgerichteten Investitionen deutlich zurück. Treten dann die großen Förderländer auf die Bremse, fehlen Anlagen und Infrastruktur, um die Verknappung kurzfristig auszugleichen. Entsprechend dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage werden die Preise wieder steigen.

 

15. Januar 2016|Aktuelles|0 Kommentare

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