Die Mobilität wird auf längere Sicht mehrgleisig bleiben

Man nimmt sie mittlerweile häufiger im Straßenverkehr war: die Teslas und BMW i3 dieser Welt. Doch ihren Siegeszug bedeutet das noch nicht. Es kommt auf den Einzelfall an, ob die Elektromobilität ihre Vorteile ausspielen kann oder nicht. So zeigte sich der Inhaber eines größeren Sanitärbetriebs im Gespräch mit dem „energieverdichter“ sehr zufrieden mit seinem neuen Elektroauto. Die maximal 200 Kilometer pro Tag zu Baustellen und Kunden schafft das Fahrzeug problemlos. Wird bei schönem Wetter an der heimischen Fotovoltaikanlage geladen, ist die Antriebsenergie kostenlos. Aber auch, wenn der Strom nicht selbst produziert wird, seien die Betriebskosten recht günstig, berichtet er. Und nicht zu unterschätzen: Ein interessanter Ansatzpunkt, um über das Thema „Auto“ ins Gespräch zu kommen.

Ein anderes Beispiel für den sinnvollen Einsatz von Elektrofahrzeugen ist im österreichischen Bundesland Tirol zu finden. Dort setzen mehrere ländliche Kommunen auf ein elektrisch betriebenes Bürgertaxi. Unter dem Namen „Braxi“ (Brandenberger Taxi) können sich Einheimische ab Mai für einen Euro pro Stecke im Gemeindegebiet Brandenberg zum entfernten Supermarkt, Arzt oder Friseur chauffieren lassen. Dabei versteht sich das Projekt nicht als Konkurrenz zum gewerblichen Taxibetrieb, sondern vor allem als Serviceangebot an Bürger, die nur begrenzt mobil sind. Die Fahrer arbeiten ehrenamtlich einen Tag pro Monat, Strom wird umweltfreundlich aus Wasserkraft erzeugt. Als Fahrzeug setzt die Kommune auf einen Renault Zoe mit bis zu 300 Kilometern Reichweite. Das sollte auf jeden Fall reichen, da auch in der Mittagspause nachgeladen werden kann. Finanziert wird „Braxi“ von der Gemeinde sowie durch Sponsoren. Ein Konzept, das auch für Versorger in ländlichen Bereichen bei uns interessant sein könnte.

Anders sieht es aus, wenn der Außendienstler Strecke machen muss. Oder bei der klassischen Urlaubsfahrt ins europäische Ausland. Aufgrund der begrenzten Reichweite dürften daher Benzin- und Ottomotoren noch länger Bestand haben. Hinzu kommt, dass die Anschaffung eines Elektroautos nicht gerade günstig ist. Wer sich, wie die meisten von uns, nur ein Auto leisten kann, wird in der Regel auf die höhere Flexibilität des konventionellen Antriebs setzen. Die Frau des Radiologen, die ihre Kinder mit dem E-Mobil zur Schule und anschließend zu Einkaufen in den Bio-Markt fährt, dürfte auf längere Sicht die Ausnahme bleiben.

Es gibt Alternativen

Gibt es vielleicht nicht doch eine Alternative dazwischen? Gas könnte die Lücke füllen – insbesondere wenn es klimaneutral über die Power2gas-Technologie aus überschüssigem Wind- und Solarstrom gewonnen wird. Dass es funktioniert, zeigen erste Produktionsanlagen und Audi, die bei ihren g-tron-Modellen konsequent auf synthetisches Gas setzen. Im Güterverkehr liegt ebenfalls ein erhebliches Potenzial für die CO2-Reduzierung, wie der DVGW, Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches, in der letzten Zeit vehement betont. „Über 2,7 Millionen Diesel-Lkw fahren auf deutschen Straßen, das sind über 95 Prozent aller schweren Nutzfahrzeuge. Wenn wir diese Dieselantriebe durch Gasantriebe ersetzen, können wir schnell und kosteneffizient bis zu 25 Prozent weniger Stickoxide und 25 Prozent weniger CO2 emittieren“, beschreibt Verbandschef Gerald Linke die Möglichkeiten. Es scheint als komme Bewegung in die Gas-Mobilität. Im letzten Jahr haben die Zulassungszahlen von gasbetriebenen Fahrzeugen deutlich zukommen. Die Infrastruktur für komprimiertes Erdgas, kurz CNG, steht, die von flüssigem LNG wird weiter ausgebaut. Und je mehr synthetisches klimaneutrales Gas hinzukommt, umso besser für die Umwelt.

Betrachtet man diese bei weitem nicht vollständigen Fakten, wird schnell deutlich, dass die mobile Zukunft mehrgleisig verlaufen wird. Je nach Situation kommen unterschiedliche Systeme zum Einsatz. Verstärkt werden sie durch neue Ansätze im ÖPNV wie auch in der individuellen Mobilität. Car-Sharing-Modelle oder E-Bikes sind hier als Stichworte zu nennen. Und was bedeutet das für Stadtwerke? Die Versorgung  von Fahrzeugen mit Strom und Gas wird weiter an Bedeutung gewinnen. Das bietet Chancen, das eigene Image verstärkt in Richtung Umweltverantwortung zu schärfen, aber auch über neue intelligente Produkte zusätzliche Absätze zu generieren.

23. April 2018|Aktuelles|0 Kommentare

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