Der Stadtwerke-Check, Teil 1: Hoch im Norden

In dieser Serie werfen wir einen Blick auf Marketing und Werbung von einigen Stadtwerken. Dabei geht es vor allem um die Suche nach guten Ideen. Ideen, die vielleicht auch anderen Stadtwerken im Wettbewerb mit den überregionalen Stromanbietern helfen können.

Stadtwerke Kiel – das Service-Signal

Die Stadtwerke Kiel haben ihrem Namen im Logo ein „24/7“ vorweg gestellt. Diese gängige Abkürzung für 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche signalisiert: Die Stadtwerke sind immer für Sie da.

Dieses Signal ist gerade im Hinblick auf die großen Anbieter für viele Kunden vor Ort ein wesentliches Argument für Stadtwerke. Aber es dürfte auch nach innen auf das Selbstverständnis der Mitarbeiter positiv wirken – insbesondere weil „24/7“ im Logo steht.

Den Eindruck von Kundennähe vermitteln auch die momentan neun Filme im eigenen Youtube-Kanal: http://www.youtube.com/user/StadtwerkeKiel.

Bis hierhin eine wirklich gelungene und runde Sache. Zwei kleine Fragezeichen haben wir dennoch:

1. Warum bewerben die Stadtwerke Kiel ihre Botschaft und ihre Filme nicht auf Facebook?

2. Ist der Claim „Deine Energie ist hier.“ nicht etwas schwach gegenüber den anderen positiven Aussagen?

Hamburg Energie – der aggressive Wettbewerb

Eine andere Strategie wählt HamburgEnergie. Der städtische Energieversorger setzt schon optisch auf die aggressive Signalfarbe rot. Auch mit dem besonders hervorgehobenen Angebot „Strompreisgarantie bis zu 24 Monate“ treten die Hamburger offensiv in den Wettbewerb zu den großen Konzernen und Energiediscountern. Unterstützt wird dieser Ansatz von einer „Freunde werben“-Kampagne, wie wir sie seit Jahren von Tageszeitungen kennen. Die Prämie: 25€ pro geworbenem Freund.

Und jetzt kommt das große Aber. Farben wirken emotional und unterstützen oder konterkarieren Aussagen. Zu Preis- und Wettbewerbs-Aggressivität passt Rot. Die Aussage „100% Ökostrom“ dürfte in diesem roten Umfeld aber deutlich an Glaubwürdigkeit verlieren: http://www.hamburgenergie.de/

Auch der Claim zeigt den Versuch, Wettbewerb und Ökologie zu verbinden: „Das ist Hamburg Energie: Gut fürs Klima, gut für Sie!“

Randbemerkung: Eine Hotline zum Festnetztarif, die nicht 24 Stunden am Tag erreichbar ist, scheint für eine Metropole wie Hamburg nicht mehr zeitgemäß.

Stadtwerke Lübeck – mit weichem Profil

Sympathisch sind der Internetauftritt (http://www.sw-luebeck.de/) und auch die Kampagne der Stadtwerke Lübeck auf den ersten Blick. Der Betrachter fühlt sich in gewisser Weise geborgen. Dazu passt der Claim „Aus Liebe zu Lübeck“.

Der Text ist dann allerdings weniger kundenbezogen und eher nüchtern unternehmerisch, so als wüssten die Stadtwerke nicht recht, mit wem sie reden. Deshalb muss ich mir als potenzieller Kunde auch selber überlegen, welchen Vorteil mir die Stadtwerke Lübeck wirklich bieten. Claim und Text transportieren keine einheitliche Botschaft. Nicht optimal!

Fazit: Alle drei Ansätze sind nicht nur sehr verschieden, sie zeigen auch Wege zu einer klaren Positionierung und gelungener Kommunikation. Seien Sie gespannt auf Teil 2.

11. März 2013|Aktuelles|0 Kommentare

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